Sechs neue Modelle in einem einzigen Jahr, ein zunehmend globales Vertriebsnetz, steigende Verkaufszahlen bei Motor-Katamaranen und ein neues Nachhaltigkeitskonzept: Gulf Craft-CEO Erwin Bamps spricht in einem exklusiven Videointerview mit Yacht Digest über Strategien, Innovationen und die Zukunft der Gruppe. Das Interview wurde beim Cannes Yachting Festival 2026 aufgezeichnet, das heute zu Ende geht.
Zusammen mit Erwin Bamps haben wir uns eingehend mit den Strategien einer der dynamischsten Yachtgruppen auf der internationalen Bühne beschäftigt. Gegründet in den Vereinigten Arabischen Emiraten und mittlerweile auf den wichtigsten globalen Märkten vertreten, Gulf Craft hat ein umfangreiches Portfolio aufgebaut, das von Majesty-Yachten über Nomad bis hin zu Motor-Katamaranen und Freizeitbooten reicht. Bamps’ Rückkehr an die Spitze des Konzerns im Jahr 2025 läutete das ein, was der Manager selbst als eine Art „Version 2.0“ von Gulf Craft bezeichnet: eine Phase, die von internationaler Expansion, starken Produktinvestitionen, technologischer Innovation und einem wachsenden Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit geprägt ist. Diese Strategie kommt besonders deutlich in einer umfangreichen Palette neuer Modelle zum Ausdruck: allein im Jahr 2026 sechs Neuvorstellungen, darunter die Majesty 145 als Highlight der Messe in Cannes. Das neue Superyacht, das unter Mitwirkung von Cristiano Gatto Design und dem hauseigenen Team von Gulf Craft entwickelt wurde, ist eines der bedeutendsten Projekte der neuen Generation dieser Werft.
In unserem Gespräch analysiert Erwin Bamps auch internationale Markttrends und erklärt, wie der Ausbau des Vertriebsnetzes in ganz unterschiedlichen Regionen – von den Vereinigten Staaten bis nach Südostasien und vom Nahen Osten bis nach Europa – Früchte trägt. Zu den auffälligsten Trends gehört der sprunghafte Anstieg der Nachfrage nach Motor-Katamaranen – ein Segment, in dem Gulf Craft große Entwicklungschancen sieht. Vor allem aber ist es das Zusammenspiel von Technologie und Benutzerfreundlichkeit, das die Philosophie des CEOs prägt: Eigner wünschen sich zunehmend mehr Komfort und Annehmlichkeiten, wollen aber nicht unbedingt, dass die Bedienung ihrer Yacht dadurch komplizierter wird. Das Ziel ist es daher, Komfort auf Fünf-Sterne-Hotel-Niveau an Bord zu bieten und gleichzeitig Technologien, Wartung und Bedienung so intuitiv wie möglich zu halten.
Schließlich geht Bamps das Thema Nachhaltigkeit aus einer Perspektive an, die für die Branche besonders bedeutsam ist: Über die Suche nach nachhaltigeren Materialien und Verfahren hinaus hat Gulf Craft im Jahr 2026 einen neuen Geschäftsbereich „Superyachts Service“ ins Leben gerufen, der sich der Umrüstung und Modernisierung bestehender Yachten widmet. Diese Entscheidung basiert auf einer Überlegung, die ebenso einfach wie radikal ist:„Das umweltfreundlichste Boot ist das, das nie gebaut wird.“
Der erste Teil des Interviews mit Erwin Bamps taucht direkt in den Kern der Unternehmensstrategie von Gulf Craft ein: Wie lässt sich ein so straffer Entwicklungszeitplan bewältigen und gleichzeitig ein hohes Niveau bei Design und Technik aufrechterhalten? Die Antwort liegt in der Struktur des Konzerns selbst: Gulf Craft betreibt mehrere Produktionsstätten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf den Malediven, unterstützt vor allem durch ein großes internes Ingenieur- und Designteam, das in der Lage ist, gleichzeitig an zahlreichen Projekten zu arbeiten.
Aus dieser Perspektive war das Jahr 2026 besonders bedeutsam.„DiesesJahr haben wir tatsächlich sechsNeuzugänge“, erklärt Bamps und betont, dass dieses Ergebnis durch die Kombination von internem Fachwissen mit Kooperationen mit externen Designstudios wie Cristiano Gatto Design und Phathom Studioermöglicht wurde.
Das Portfolio der Gruppe macht diesen Prozess noch komplexer: Gulf Craft ist mit Booten von 35 bis 175 Fußim Einsatz – ein industrielles Ausmaß, das die Werft dazu zwingt, ständig innovativ zu bleiben.„Im Grundehaben wir keine andere Wahl, als in jedem Marktsegment, in dem wir tätig sind, weiterhin innovativ zusein“, betont Bamps. Diese Aussage bringt die Kernphilosophie von Gulf Craft auf den Punkt: sich nicht auf ein einziges Segment zu konzentrieren, sondern ein ausreichend vielfältiges Angebot aufzubauen, um unterschiedliche Bedürfnisse und Märkte abzudecken.
Das zweite Thema, das im Interview angesprochen wurde, betrifft den Markt. Nach einer Phase rascher Expansion im internationalen Bootsmarkt arbeitet Gulf Craft daran, seine Präsenz durch ein globales Vertriebsnetz zu festigen. Erwin Bamps berichtet, dass die Gruppe in den letzten 18 Monaten massiv in den Aufbau und die Stärkung ihres Händlernetzes investiert hat. Das Ergebnis ist ein Geschäftswachstum, das weit über die traditionellen Märkte im Mittelmeerraum oder am Persischen Golf hinausgeht: „Das gilt nicht nur für den Mittelmeerraum, der zu den traditionellen Märkten für den Bootsmarkt zählt. Es gilt nicht nur für den Golf, wo wir unser Händlernetz im Nahen Osten ausgebaut haben, sondern auch für die USA und sogar für die Märkte in Südostasien und Afrika.„
Das veranlasst den CEO dazu, Gulf Craft als ein Unternehmen zu bezeichnen, das mittlerweile „wirklichglobal undmultinational“ist. Diese Eigenschaft wird besonders wichtig in einer Marktphase, in der die Geschäftsentwicklung von Region zu Region erheblich variieren kann.Durch die Diversifizierung des Portfolios kann die Gruppe mögliche Rückgänge in bestimmten Segmenten durch eine stärkere Nachfrage in anderen ausgleichen.
Gulf Craft ist gleichzeitig in den Bereichen Einrumpfboote, Katamarane, Freizeitboote und Superyachten tätig. Wenn sich ein Markt für einen bestimmten Schiffstyp abkühlt, erklärt Bamps, kann es zu einer höheren Nachfrage nach größeren Yachten kommen: „Wirkönnen weiterhin auf den meisten Märkten präsent sein und unseren Fokus je nachdem verlagern, welche Produktreihen auf diesen Märkten gerade wachsen.“ Doch in diesem Gesamtbild überrascht ein Phänomen sogar die Werft selbst: das Wachstum bei den Motor-Katamaranen.
Der Bereich der Motor-Katamarane ist einer der Schwerpunkte, auf die sich Gulf Craft besonders konzentrieren will. Bamps erklärt, dass sich die Erwartungen der Eigner verändern und diejenigen, die heute in die Yachtwelt einsteigen, ein anderes Erlebnissuchen als früher. Aus diesem Grund können Motor-Katamarane laut dem CEO eine wachsende Nachfrage bedienen, bei der es vor allem um Platz, Komfort, Stabilität und Effizienz geht.„Motor-Katamarane stehen definitiv ganz oben auf unserer Prioritätenliste“, bestätigt Bamps.
Es geht nicht nur um wirtschaftliche Aspekte. Die Mehrrumpfkonstruktion spielt auch eine wichtige Rolle für Gulf Crafts Ansatz in Sachen Energieeffizienz. Die überragende Stabilität und die hydrodynamische Effizienz, die für einen Katamaran typisch sind, können einen geringerengeringeren Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu einem Einrumpfboot und bietet gleichzeitig ein vergleichbares Erlebnis an Bord.
Eine der spannendsten Stellen des Interviews dreht sich um technologische Innovationen. Die Branche rüstet Yachten mit immer mehr Systemen, Funktionen und Geräten aus. Gleichzeitig wollen sich heutige Eigner laut Bamps nicht unbedingt mit einer Maschine herumschlagen, die schwieriger zu bedienen ist. Die Nachfrage scheint fast widersprüchlich: mehr Komfort und mehr Technik, aber weniger Komplexität.„ Die Leutewollen immer mehr Komfort und höhere Komplexität, aber gleichzeitig wünschen sie sich mehr Zuverlässigkeit und weniger Aufwand bei der Verwaltung, Bedienung und dem Genuss einerYacht“, sagt Erwin Bamps.
Yachtbesitzer, so der Geschäftsführer weiter, „wollen, dass der gesamte Komfort, den sie an Land genießen, auch auf ihrem Boot vorhanden ist. Sie wollen ihre Erwartungen nicht herunterschrauben. Sie wollen mindestens das Gleiche, aber mit Meerblick.“ Die Herausforderung entsteht, wenn all diese Technik bedient werden muss. Bamps stellt fest, dass moderne Eigner nicht unbedingt technische Handbücher lesen oder Schulungen besuchenwollen, um zu lernen, wie sie ihre Yacht bedienen: „Siehaben nicht vor, das Handbuch zu lesen. Sie haben nicht vor, einen Schulungskurs zu machen, um zu verstehen, wie man sie bedient. “ Daraus ergibt sich eine der wichtigsten Designprioritäten von Gulf Craft: die Benutzeroberfläche zu vereinfachen, Technologien intelligent zu integrieren und auch die Wartung zu erleichtern. „DieBenutzeroberfläche bei allem, was wir tun, die Integration von Technologie sowie die Vereinfachung von Wartung und Betrieb sind entscheidend.“
In diesem Zusammenhang spricht Bamps von „zielgerichtete Innovation„—Innovation, die auf ein konkretes Ziel ausgerichtet ist: das Erlebnis an Bord zu verbessern, ohne unnötige Komplexität zu schaffen.“Es geht um zielgerichtete Innovationen, die das Bootfahren einfacher und zugänglicher machen.„Dieses Konzept wird auch im Superyacht-Segment zunehmend an Bedeutung gewinnen. Laut Bamps ist es heutzutage nicht ungewöhnlich, dass ein Eigner eine eine 100-Fuß-Yacht als ihr allererstes Boot. Die Erwartungen an das Produkt sind daher außerordentlich hoch, selbst wenn eine professionelle Crew an Bord ist. Und der Maßstab liegt nicht mehr nur innerhalb der Schifffahrtsbranche: „Die Erwartungen des Kunden an diese Art von Yacht gehen über das Erlebnis eines Fünf-Sterne-Hotels hinaus.„
Im letzten Teil des Interviews geht es um eines der komplexesten Themen, mit denen die Yachtbranche konfrontiert ist: Nachhaltigkeit. Gulf Craft arbeitet an der Materialauswahl, den Produktionsprozessen und dem Einsatz von recycelten Materialien beim Bau neuer Boote. Bamps lädt uns jedoch dazu ein, das Thema aus einer breiteren Perspektivezu betrachten . Dem CEO zufolge haben die Maßnahmen, die beim Bau einer neuen Yacht ergriffen werden, möglicherweise nur begrenzte Auswirkungen, wenn man sie im Verhältnis zum gesamten Produktlebenszyklus betrachtet. Daraus ergibt sich eine Aussage, die Bamps nach eigenen Angaben oft wiederholt: „Dasumweltfreundlichste Boot ist das, das nie gebaut wird.“
Das Konzept ist nicht nur theoretischer Natur. Im Jahr 2026 hat Gulf Craft diese Philosophie in einen neuen Geschäftsbereich umgesetzt und die Sparte „Superyachts Service“ ins Leben gerufen, die sich der Überholung und dem Umbau bestehender Yachten widmet. Das Ziel ist es, die Lebensdauer der Schiffe zu verlängern, anstatt sie durch Neubauten zu ersetzen. „Im Jahr 2026 haben wir unseren neuen Geschäftsbereich „Superyachts Service“ ins Leben gerufen, der sich auf die Überholung und den Umbau bestehender Schiffe konzentriert.„Ein besonders überzeugender Aspekt ist, dass die Abteilung nicht ausschließlich an Gulf Craft-Schiffen arbeitet. Die Gruppe kann auch Projekte auf Superyachten durchführen, die von anderen Werften gebaut wurden, wobei umfassende Umrüstungen durchgeführt wurden, die die Innenausstattung, die Maschinenräume und andere Schiffssysteme umfassten. „Wir glauben, dass wir den CO₂-Fußabdruck erheblich verringern können, indem wir bereits hergestellten Produkten – egal, ob von uns oder von anderen – ein neues Leben geben.„Dieser Ansatz erweitert das Konzept der Nachhaltigkeit über die reine Fertigungsphase hinaus auf die gesamte Lebensdauer der Yacht.“
Bamps’ Umweltperspektive erstreckt sich auch auf den Kraftstoffverbrauch – einer der unmittelbarsten Aspekte, wenn es um die Auswirkungen von Motoryachten geht. Die Antwort von Gulf Craft besteht nicht unbedingt darin, auf Luxus zu verzichten, sondern ihn anders zu interpretieren: „Wirversuchen, den Leuten einen langsamen, ruhigen Luxus näherzubringen: das Wasser zu genießen und nicht nur die Geschwindigkeit.“ Dieses Konzept steht in direktem Zusammenhang mit dem Wachstum bei den Motor-Katamaranen. Ihre hydrodynamische Effizienz, so Bamps, ermöglicht ein bestimmtes Erlebnis auf dem Wasser bei geringerem Energieverbrauch. Daher ist es die Vision von Gulf Craft, eine Yachtbranche zu schaffen, die verschiedene Wege beschreiten kann: Umrüstung, Materialoptimierung, Rumpfeffizienz, benutzerfreundliche Technologien und ein neu definiertes Luxuskonzept – das weniger an Geschwindigkeit und mehr an der Qualität des Erlebnisses orientiert ist. Es ist eine Vision, die die neue Phase der Gruppe treffend auf den Punkt bringt: eine Werft, die weiterhin massiv in ihre Produktpalette und ihre weltweite Expansion investiert und gleichzeitig danach strebt, den Begriff der Innovation neu zu definieren.
Das Exklusivinterview mit Erwin Bamps vermittelt das Bild eines Unternehmens im Umbruch. Bei „Gulf Craft 2.0“ geht es nicht nur darum, die Größe zu steigern oder die Modellpalette zu erweitern; es spiegelt eine umfassendere Entwicklung wider, wie Yachten entworfen, vertrieben und erlebt werden. Die sechs Neuheiten im Jahr 2026, die Majesty 145, der Boom bei Motor-Katamaranen und der Ausbau des internationalen Netzwerks zeugen allesamt von den industriellen Ambitionen der Gruppe. Doch sind es vielleicht gerade die Konzepte der Einfachheit, des unaufdringlichen Luxus und der Nachrüstung, die am deutlichsten auf die zukünftige Ausrichtung hinweisen.
Im Kern ist Bamps’ Botschaft eindeutig: Die Yacht der Zukunft muss mehr Komfort, mehr Technologie und ein immer ausgefeilteres Erlebnis bieten, ohne dabei zu einer komplexen Maschine zu werden, deren Handhabung eine Herausforderung darstellt. Und vor allem darf sich Nachhaltigkeit nicht darauf beschränken, das umweltfreundlichste Material zu finden; sie muss auch die Notwendigkeit hinterfragen, ein neues Schiff zu bauen, wenn einem bestehenden ein zweites Leben geschenkt werden kann. Die Strategie von Gulf Craft folgt somit einer klaren Linie: mehr innovieren, das Nutzererlebnis vereinfachen und nur dann bauen, wenn es wirklich notwendig ist.
| Quelle / Referenz | Beschreibung |
| YouTube – The International Yachting Media | Exklusives Videointerview mit Erwin Bamps, CEO von Gulf Craft, aufgenommen beim Cannes Yachting Festival 2026 und veröffentlicht auf dem offiziellen Kanal der Fachmediengruppe für den Yachtsport. |
| Gulf Craft | Offizielle Website der Unternehmensgruppe und Informationen zur Yachtpalette. |
| Luca D’Ambrosio | Marinejournalist und Bootstester, Geschäftsführer von The International Yachting Media und Interviewer von Erwin Bamps. |
Erwin Bamps ist Geschäftsführer von Gulf Craft, einem Yachtkonzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Yachten, Superyachten und Motor-Katamarane baut.
Unter den sechs Neuheiten, die die Gruppe 2026 vorgestellt hat, sticht vor allem die Majesty 145 hervor, eine neue Superyacht aus der Majesty-Reihe.
Laut Bamps ist einer der überraschendsten Trends der rasante Anstieg der Nachfrage nach Motor-Katamaranen.
Die Werft setzt auf zielgerichtete Innovationen, die den Komfort und die Ausstattung verbessern, ohne die Verwaltung der Yacht zu verkomplizieren.
Editor-in-chief, boat tester and journalist. Luca began sailing at an early age with his father then as an adult discovered sailing regattas and offshore racing. He has been working in publishing for more than 30 years and continues to sail incessantly, especially aboard the editorial staff's boat, an old lady of the seas that he has completely rebuilt and which serves excellently as a "mobile laboratory" for The International Yachting Media.
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