Piero Formenti, Präsident von Confindustria Nautica, bei Primocanale: Von den TATSÄCHLICHEN weltweiten Emissionen (0,01 %) zu Rekordzahlen bei Beschäftigung und Exporten.
„Die ökologische Wende muss pragmatisch sein; sich ausschließlich auf Elektrofahrzeuge zu konzentrieren, ist ein Fehler.“
Die italienische Schifffahrtsindustrie ist oft Opfer verzerrter Darstellungen, die eher durch eine ideologische Brille als durch wissenschaftliche und wirtschaftliche Objektivität betrachtet werden. Um hier Klarheit zu schaffen, meldete sich Piero Formenti, Präsident von Confindustria Nautica, in einem Interview mit Primocanale zu Wort. Formenti zeichnete ein Bild auf der Grundlage unbestreitbarer Daten, widerlegte falsche Mythen über die Umweltbelastung durch die Branche und hob die besondere Bedeutung des Wassersports für die Wirtschaft, die Beschäftigung und die „Made in Italy“-Exporte hervor.
Piero Formenti, die Schifffahrtsindustrie und Nachhaltigkeit: Echte Daten vs. Vorurteile – Die Umweltbelastung beträgt gerade mal 0,01 %
Ausgangspunkt für Piero Formentis Analyse sind die tatsächlichen Auswirkungen der Branche auf die Umwelt. Nach Angaben der IMO (Internationale Seeschifffahrtsorganisation) machen die weltweiten Emissionen der Freizeitbootbranche lediglich 0,01 % der Gesamtemissionen aus.
Trotz dieser verschwindend geringen Auswirkungen ist die Branche häufig Zielscheibe von Kritik und strengen Vorschriften, wie zum Beispiel dem europäischen Emissionshandelssystem (ETS). Dieses System wirkt sich negativ auf die Branche aus und zwingt die EBI (European Boating Industry) dazu, aktiv mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament zusammenzuarbeiten. Die Tendenz, „die Reichen zu besteuern“, indem man Superyacht-Besitzer ins Visier nimmt, birgt tatsächlich die Gefahr, eine ganze Produktionskette zu benachteiligen – was letztendlich die am stärksten gefährdeten Arbeiterklassen trifft, deren Lebensunterhalt von dieser Branche abhängt.
Wirtschaftliche Führungsrolle und der Exportboom
Die Zahlen für die italienische Schifffahrtsindustrie zeigen eine Branche, die ein starkes und stetiges Wachstum verzeichnet. Im Jahr 2022 erzielte die Branche einen Umsatz von 8,6 Milliarden Euro und erwirtschaftete dabei eine bemerkenswerte Wertschöpfung von 13 Milliarden Euro.
Italien festigt seinen Status als globale Seemacht dank eines starken Strebens nach Internationalisierung:
- Etwa 90 % der nationalen Produktion sind für ausländische Märkte bestimmt.
- Der wichtigste Zielmarkt für italienische Exporte sind die Vereinigten Staaten.
- Italien ist weltweit unangefochtener Marktführer im Superyacht-Bau : Von den weltweit 1.093 in Auftrag gegebenen Yachten befinden sich 568 im Bau.
- Unser Land ist außerdem weltweit führend in der Herstellung von Festrumpf-Schlauchbooten ( RIBs) und gilt als internationaler Maßstab für Komponenten und Zubehör.
Piero Formenti: Rekordbeschäftigung – der wahre soziale Motor des Wassersports
Die Bedeutung der italienischen Schifffahrtsindustrie lässt sich nicht nur am Umsatz messen, sondern vor allem an ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit, Arbeitsplätze zu schaffen. Derzeit beschäftigt die Branche 168.000 Menschen.
Die erstaunlichste Zahl ist jedoch der Beschäftigungsmultiplikator von 7,2. Das bedeutet, dass für jede einzelne Person, die direkt in der italienischen Schifffahrtsindustrie beschäftigt ist, 7,2 Arbeitsplätze in der direkten und indirekten Lieferkette entstehen. Das ist mit Abstand der höchste Multiplikator in Italien und entspricht dem Dreifachen des Wertes jedes anderen nationalen Produktionssektors.
Angesichts dieser Zahlen richtete Formenti eine deutliche Warnung an die Institutionen: Wer profitable Unternehmen ins Visier nimmt, zerstört Wert und Arbeitsplätze. Der Präsident erinnerte an den Fehler, den die Monti-Regierung in der Vergangenheit begangen hatte: Deren strafende Steuerpolitik gegenüber der Branche („am Ziel vorbeigeschossen“) führte zum Verlust von 40.000 Arbeitsplätzen und schadete letztendlich eher den Arbeitnehmern als dem Großkapital.