Heute sind mehr als 99% der Segelboote weltweit noch mit Verbrennungsmotoren ausgestattet. Diese Tatsache verdeutlicht, dass die Energiewende in der Schifffahrtsbranche noch in den Kinderschuhen steckt, obwohl der Fokus zunehmend auf emissionsarme Lösungen gelegt wird. Um diese Herausforderung zu meistern, haben die Groupe Beneteau und die Fountaine Pajot Group die Gründung von E-LEKTRA MARINE angekündigt, einem Joint Venture, das einen Wendepunkt in der Landschaft des elektrischen Antriebs für Segelboote markieren soll.
Die Initiative bringt sieben marktführende Marken – Beneteau, Jeanneau, Lagoon, Excess, Fountaine Pajot Sailing Catamarans, Fountaine Pajot Yachts und Dufour – mit einem gemeinsamen Ziel zusammen: einen globalen Standard für elektrischen Antrieb und intelligentes Energiemanagement an Bord zu schaffen und so die Einführung nachhaltiger Lösungen in der Freizeitschifffahrt zu beschleunigen.
E-LEKTRA MARINE: Zwei Gruppen, sieben Marken, ein globaler Standard
E-LEKTRA MARINE wurde als 50/50-Joint-Venture gegründet, das sich der Entwicklung von elektrischen Antriebssystemen und integriertem Energiemanagement für Segelschiffe widmet. Es ist die erste Zusammenarbeit dieser Art in der Branche und bringt Marken zusammen, die kommerziell unabhängig bleiben, aber eine gemeinsame technologische Plattform nutzen.
Die Energiewende im Segelsport stellt einzigartige Herausforderungen dar, da sie die Anforderungen der Automobilindustrie (Emissionsreduzierung und geräuschloser Betrieb) mit denen des Wohnungsbaus und der Energieunabhängigkeit verbindet. Anders als ein Elektroauto muss ein Boot auf See völlig autonom Energie erzeugen, speichern und verteilen. Das E-LEKTRA MARINE System wurde speziell dafür entwickelt, diese Komplexität zu bewältigen. Es ist in der Lage, alle Energieflüsse an Bord in Echtzeit zu steuern – von derSolarzellenproduktion über das Batteriemanagement bis hin zur Versorgung der Bordsysteme und des Antriebs.
Energieunabhängigkeit: Die neue Grenze des Segelns
Beim Segeln geht es nicht nur um den elektrischen Antrieb, sondern um das gesamte Management der Energie an Bord. Autonomie, Komfort und Zuverlässigkeit hängen nämlich von der Fähigkeit ab, alle verfügbaren Energiequellen effizient zu koordinieren. In den letzten Jahren haben beide Konzerne in diesem Bereich besondere Kompetenzen entwickelt: Die Groupe Beneteau führte elektrische Niederspannungslösungen für Boote bis zu 12 Metern Länge ein, während die Fountaine Pajot Group Hochspannungs-Hybridsysteme für Katamarane über 15 Metern Länge implementierte. Diese Technologien sind jetzt ausgereift und bereit, auf ein industrielles Niveau gebracht zu werden.
Anstatt getrennte Plattformen zu entwickeln, haben die beiden Akteure beschlossen, ihre Ressourcen zu bündeln, um eine gemeinsame technologische Basis zu schaffen, die der gesamten Schifffahrtsbranche offensteht. Das Ziel ist es, Systeme zu entwickeln, die mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren konkurrenzfähig sind und gleichzeitig eine hohe Leistung und eine größere Umweltverträglichkeit gewährleisten.
E-LEKTRA MARINE ist ein technologisches Ökosystem, das von strategischen Partnern unterstützt wird
Das Projekt E-LEKTRA MARINE stützt sich auf ein Netzwerk von Technologiepartnern, die auf die Entwicklung elektrischer Systeme und Energiemanagement spezialisiert sind. Dazu gehören:
Alternatives Energies mit Sitz in La Rochelle, ein Experte für elektrische Systemintegration;
Cirtem, spezialisiert auf Energieumwandlung und -management;
EVE System, das sich auf die Entwicklung von Akkupacks konzentriert.
Durch diese Zusammenarbeit will das Joint Venture standardisierte Lösungen für Schiffe von 9 bis 24 Metern Länge entwickeln, darunter vollelektrische Systeme, Nieder- und Hochspannungshybride und Nachrüstlösungen für die Umrüstung bestehender Boote.
Ein offenes Modell für wettbewerbsfähige elektrische Lösungen
Eines der innovativsten Elemente des Projekts ist sein Industriemodell. E-LEKTRA MARINE ist nicht als proprietäre Technologie konzipiert, sondern als offene Plattform, die allen Akteuren der Bootsbranche zur Verfügung steht. Durch die Bündelung der Produktionsvolumina der sieben beteiligten Marken – die etwa 60 % des weltweiten Segelmarktesausmachen –erreicht dasProjekt die kritische Masse, die notwendig ist, um die Kosten zu senken und den Zugang zu elektrischen Lösungen für Bootseigner zu erleichtern.
Die Fähigkeiten der von dem Joint Venture entwickelten Systeme gehen über die Elektrifizierung von Schiffen von 9 bis 24 Metern hinaus und umfassen ein integriertes Energiemanagement zwischen Solarmodulen, Motor, Generator und Bordstromversorgung. Darüber hinaus bietet die Plattform eine Echtzeit-Verbrauchsüberwachung über intuitive Schnittstellen, ein globales Netzwerk von zertifizierten Service- und Supportdiensten, kontinuierliche technologische Updates und die Möglichkeit, bestehende Boote durch spezielle Nachrüstungslösungen auf elektrische Energie umzurüsten.
Auf dem Weg ins Jahr 2030: Ziel ist es, den Segelmarkt zu verändern
Das Ziel der beiden französischen Konzerne ist klar: Sie wollen bis 2030 zu einem Strukturwandel in der Branche beitragen. Ihr erklärtes Ziel ist es, dass elektrische Lösungen zwischen 10 und 15 % des weltweiten Segelmarktes ausmachen, was mehreren hundert Schiffen pro Jahr entspricht.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Groupe Beneteau bereits elektrische Lösungen für Modelle wie die Katamarane Lagoon 421 und die Segelboote der Beneteau Oceanis-Reihe sowie für die Flussboote der Marke Delphia eingeführt. Gleichzeitig hat die Fountaine Pajot Group Elektrifizierungssysteme auf Flaggschiffmodellen wie den Katamaranen Fountaine Pajot Aura 51 und Fountaine Pajot Samana 59 eingeführt und damit ihre Position im Segment der nachhaltigen Fahrtenkatamarane gefestigt.
„Mit E-LEKTRA MARINE schließen sich zwei führende Unternehmen der Segelindustrie zu einer beispiellosen Allianz zusammen, um die Elektrifizierung des Segelsports zu beschleunigen. Indem wir unser industrielles Know-how bündeln, wollen wir offene Standards definieren und emissionsarme Lösungen einfacher, zugänglicher und skalierbarer machen „, sagt Bruno Thivoyon, Vorstandsvorsitzender der Groupe Beneteau.
Mathieu Fountaine, stellvertretender CEO der Fountaine Pajot Gruppe, fügt hinzu: „Nach mehreren Jahren der Umsetzung hat Alternatives Energies bewiesen, dass es skalierbare Lösungen gibt. Das Joint Venture E-LEKTRA MARINE mit der Groupe Beneteau beweist, dass unsere Branche in der Lage ist, sich für gemeinsame Umweltziele einzusetzen. Die Elektrifizierung ist heute unverzichtbar; jetzt muss sie dem gesamten Segelmarkt zugänglich gemacht werden. „
Schlussfolgerungen
Der Start von E-LEKTRA MARINE ist eines der ehrgeizigsten Projekte auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Segelindustrie. Diese Allianz zwischen zwei Branchenführern und sieben bekannten Marken zeigt, dass die Energiewende Zusammenarbeit, Standardisierung und eine langfristige industrielle Vision erfordert.
Wenn die Ziele für 2030 erreicht werden, könnte diese Initiative den Beginn einer neuen Phase für die Freizeitschifffahrt markieren, in der Nachhaltigkeit, Energieunabhängigkeit und technologische Innovation die zentralen Säulen des Segelerlebnisses werden.
E-LEKTRA MARINE – FAQ
Was ist E-LEKTRA MARINE?
Es ist ein Joint Venture, das von zwei führenden Schifffahrtskonzernen gegründet wurde, um elektrische Antriebe und integrierte Energiemanagementsysteme für Segelboote zu entwickeln.
Welche Marken sind an dem Projekt beteiligt?
An der Initiative beteiligen sich sieben internationale Segelmarken, darunter Beneteau, Jeanneau, Lagoon, Excess, Fountaine Pajot und Dufour.
Was ist das Hauptziel des Joint Ventures?
Das Ziel ist es, einen globalen Standard für die Elektrifizierung des Segelns zu schaffen und emissionsarme Lösungen weiter zu verbreiten und zugänglich zu machen.
Welche Boote werden diese Technologien nutzen können?
Die Systeme werden für Segelboote mit einer Länge von 9 bis 24 Metern entwickelt, einschließlich Lösungen für die Nachrüstung bestehender Schiffe.
Warum ist Energiemanagement für Segelboote so wichtig?
Im Gegensatz zu anderen Transportmitteln müssen Boote während der Fahrt ihren eigenen Strom erzeugen und verwalten, was die Energieeffizienz zu einem entscheidenden Faktor macht.
Was ist das Ziel für 2030?
Die Unterstützer des Projekts streben an, dass elektrische Lösungen bis zum Ende des Jahrzehnts zwischen 10 und 15 % des weltweiten Segelmarktes ausmachen.





















