Die Majesty 72 basiert auf der Erfahrung eines auf Superyachten bis zu 55 Metern spezialisierten Herstellers und schafft es, eine Designphilosophie aus großzügigen Volumen, hochwertiger Ausstattung und Komfort auf etwas mehr als 22 Meter zu verdichten. The International Yachting Media hatte die Gelegenheit, sie auf der Qatar Boat Show vorab zu begutachten, ihre seglerischen Qualitäten zu testen und ihre Innen- und Außenbereiche aus nächster Nähe zu analysieren.
Auf See zeigte die Majesty 72 eine bemerkenswerte Laufruhe und hervorragende Kursstabilität und erreichte dank der Antriebsleistung von zwei 1.600-Pferdestärken-MTU-V10-Motoren fast 30 Knoten. Vor allem aber ist es das Verhältnis zwischen Abmessungen, Wohnlichkeit und Verarbeitungsqualität, das diese große flybridge auszeichnet. Die maximale Breite von über 6 Metern ermöglicht Räumlichkeiten, die in Größe und Aufteilung an Yachten höherer Kategorien erinnern, während die Auswahl an Komponenten und Ausstattungsdetails aus italienischer Fertigung zu einem besonders hohen Qualitätsniveau beiträgt. Schau dir einfach unser Video an, um das zu erkennen.
Majesty 72: Die Probefahrt
Die Probefahrt beginnt vor der Küste von Doha, wobei die Majesty 72 mit reduzierter Geschwindigkeit fährt. Schon bei etwa 6,5 Knoten und einem momentanen Kraftstoffverbrauch von nur 7 Litern pro Stunde zeigen sich einige der interessantesten Eigenschaften der Yacht: Die Fahrt verläuft ruhig und die Kursstabilität ist besonders gut. Bei einer schrittweisen Erhöhung der Geschwindigkeit auf etwa 10 Knoten steigt der Kraftstoffverbrauch auf knapp unter 30 Liter pro Stunde, während das Fahrverhalten des Bootes ausgeglichen bleibt. Der Komfort scheint also nicht von der Geschwindigkeit abzuhängen, und der Rumpf behält auch bei zunehmendem Tempo eine bemerkenswerte Laufruhe bei.
Der Übergang ins Gleiten erfolgt bei etwa 14,5 Knoten. Bei dieser Geschwindigkeit verbraucht die Majesty 72 etwa 114 Liter pro Stunde, was knapp 8 Litern pro Meile entspricht. Die beiden 1.600-PS-MTU-V10-Motoren bieten eine beträchtliche Leistungsreserve, doch am beeindruckendsten ist während des Tests die Fähigkeit der Yacht, diese zu nutzen, ohne dabei Abstriche beim Komfort zu machen. Die See, die während des Tests relativ ruhig war, bot dennoch die Gelegenheit, das Verhalten des Rumpfes bei kleinem Wellengang zu überprüfen. Die Majesty 72 meistert diese Wellen äußerst sanft und vermittelt dabei stets ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität.

Wenn man die Yacht auf etwa 20 Knoten bringt, pendelt sich der Momentanverbrauch bei 186 Litern pro Stunde ein. Das ist eine besonders interessante Geschwindigkeit für ein Boot dieser Größe, da man damit schnell beträchtliche Entfernungen zurücklegen kann und dabei ein hohes Maß an Komfort beibehält. Selbst in Kurven bestätigt die Majesty 72 den ersten Eindruck. Das Boot meistert enge Kurven ohne nennenswerten Geschwindigkeitsverlust und liegt jederzeit sehr ruhig auf dem Wasser. Das Fahrverhalten entspricht dem, was man von einer Yacht der höheren Kategorie erwartet: Die Kursführung bleibt präzise und das Fahrverhalten zeigt keine abrupten Reaktionen.
Der Test geht weiter, indem dieselben Gegenwellen in Angriff genommen werden. Auch in dieser Situation erweist sich der Rumpf als gut ausbalanciert: Die Majesty 72 durchquert die Wellenbewegung, ohne besonders deutliche Reaktionen an Bord zu übertragen, was das Bekenntnis zum Komfort bestätigt, das eines ihrer charakteristischen Merkmale darstellt.
Fast 30 Knoten Höchstgeschwindigkeit
Erst beim Vollgas-Test zeigen die beiden 1.600-Pferdestark-MTU-Motoren ihr volles Potenzial. Die Beschleunigung bringt die Majesty 72 schnell über 25 Knoten, dann auf 27, 28 und 29 Knoten, bis sie eine Höchstgeschwindigkeit von 29,3 Knoten erreicht. Eine beachtliche Zahl, wenn man die Verdrängung und den reinen Kreuzfahrtcharakter der Yacht bedenkt.

Bei etwa 25 Knoten liegt der gemessene Kraftstoffverbrauch bei 187 Litern pro Stunde. Das ist eine Geschwindigkeit, die man als echte Schnellkreuzfahrt bezeichnen kann – ideal, wenn du die Fahrzeiten verkürzen möchtest, ohne auf die Segeleigenschaften zu verzichten, die die Majesty 72 auszeichnen. Die Probefahrt vermittelt somit den Eindruck einer Yacht, die beeindruckende Abmessungen, mitreißende Leistung und ein äußerst komfortables Fahrverhalten vereint.
Wie sich die Majesty 72 fährt
Zurück im Hafen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Räume an Bord. Wenn du die wenigen Stufen hinaufsteigst, die zum Hauptdeck führen, stößt du am Heck auf eine große Essecke im Freien. Das lange Sofa nimmt praktisch die gesamte verfügbare Breite ein und bietet bequem Platz für sechs oder sieben Personen. Gegenüber befindet sich ein großer Tisch in der Mitte, der zusammen mit einigen Sitzgelegenheiten auf der gegenüberliegenden Seite einen richtigen Essbereich für zehn Gäste oder sogar mehr bietet.
Ein besonders interessantes Element ist die große Verbindungstür zum Innenraum. Die verwendeten Komponenten sind erstklassig, und in diesem Fall stammt die handwerkliche Ausführung vom italienischen Hersteller Nemo. Durch die Tür ist die Wet-Bar im Außenbereich direkt mit der Bordküche im Innenraum verbunden, wodurch eine funktionale Kontinuität zwischen den Bereichen entsteht.
Ein Hauptdeck mit überraschenden Abmessungen
Das Hauptdeck ist einer der Bereiche, in denen die Fähigkeit der Majesty 72, ihre Breite optimal zu nutzen, am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Auf der Backbordseite befindet sich eine große, L-förmige Kombüse, die mit einer Ausziehvorrichtung ausgestattet ist, welche die Arbeitsfläche zusätzlich vergrößert. Zur Ausstattung gehören ein Induktionskochfeld, ein Backofen, zahlreiche Kühl- und Gefrierschränke sowie reichlich Stauraum.

Gegenüber der Kombüse steht ein Sofa für zwei oder drei Personen. Weiter in Richtung Bug öffnet sich der Raum noch mehr: Eine zweite Bar und zwei große, einander gegenüberliegende Sofas machen den Salon zu einem echten Treffpunkt. Die Anordnung der Möbel ermöglicht eine ideale Trennung verschiedener Funktionsbereiche, ohne dass man auf physische Trennwände zurückgreifen muss, wodurch ein bemerkenswertes Raumgefühl erhalten bleibt.
Der Innen-Steuerstand und die Bordtechnik
In Richtung Bug befindet sich der Innensteuerstand, der einem weiteren kleinen Sofa mit Tisch gegenüberliegt. Diese Anordnung ist auch für Gäste gedacht, die so in engem Kontakt mit demjenigen bleiben können, der das Schiff steuert. Der Steuerstand ist um drei große Displays herum angeordnet, die der Navigation, der Kartografie und der Steuerung der Bordautomation gewidmet sind. Vervollständigt wird die Ausstattung durch Ruderwinkelsteuerung, Autopilot, Bug- und Heckantriebe sowie das Flossen-Stabilisierungssystem.

Man hat das Gefühl, dass es sich um einen vollwertigen Steuerstand handelt, der in die Gesamtgestaltung des Hauptdecks integriert ist, ohne dass der Steuerbereich zu einer rein technischen Umgebung wird.
Der Schlafbereich: Vier Gästekabinen
Das Unterdeck erstreckt sich um einen breiten zentralen Flur. Die Konfiguration des getesteten Bootes umfasst zwei Gästekabinen und zwei Doppelkabinen für die Crew, wobei zusätzliche Schlafplätze auf die Dienstkabinen verteilt sind. Das Herzstück des Schlafbereichs ist natürlich die Eignerkabine, die sich mittschiffs befindet und sich über die gesamte Breite erstreckt.

Die Eignerkabine der Majesty 72 beeindruckt vor allem durch ihre Proportionen. Das große, zentral angeordnete Kingsize-Bett ist von einer besonders großzügigen Grundfläche umgeben, während sich an den Seiten Wandvertäfelungen, ein Schreibtisch und ein großer begehbarer Kleiderschrank befinden. Das eigene Badezimmer rundet die echte Suite ab. Das übergroße Waschbecken ist aus Marmor gefertigt, während die separate Duschkabine viel Platz und eine edle Ausstattung bietet. Auch hier trägt der Marmor dazu bei, eine Atmosphäre zu schaffen, die eher an eine Luxushotelsuite erinnert als an das, was man traditionell mit einer Bootskabine verbindet.
Die VIP-Kabine verfügt außerdem über ein zentrales Bett – in diesem Fall ein Queen-Size-Bett –, das von reichlich Platz zum Herumlaufen umgeben ist. Vertäfelungen, ein Sessel, Kleiderschränke und zahlreiche Staufächer ermöglichen eine einfache Organisation der Kleidung und persönlichen Gegenstände der Gäste. Diese Kabine verfügt zudem über ein großzügiges eigenes Badezimmer mit separater Duschkabine.
Die beiden weiteren Gästekabinen sind mit zwei Einzelbetten ausgestattet, die ebenfalls größer sind als die, die man normalerweise bei Yachten dieser Größe erwartet. Beide verfügen über einen eigenen Kleiderschrank und teilen sich das Tages-WC.
Die flybridge: Über 20 Quadratmeter Lebensraum im Freien
Die flybridge ist wahrscheinlich der Bereich, der die Designphilosophie der Majesty 72 am besten verkörpert. Die verfügbare Fläche beträgt etwa 25 Quadratmeter und ermöglicht die Einrichtung mehrerer Funktionsbereiche. Am Heck befindet sich ein großes U-förmiges Sofa, das sich an der Seite in eine zusätzliche Sonnenliege verwandeln lässt. In der Mitte steht ein ausziehbarer Tisch, der in erster Linie für den Service und Aperitifs gedacht ist.

Wenn du dich in Richtung Bug bewegst, stößt du auf eine weitere große U-förmige Sitzgruppe, die Platz für bis zu acht Personen bietet und über einen zusätzlichen Tisch in der Mitte verfügt. Der Steuerstand befindet sich auf der Steuerbordseite, sodass die Yacht direkt von der flybridge aus gesteuert werden kann. Gegenüber dem Steuerstand befindet sich eine weitere große U-förmige Sitzgruppe, von der aus die Gäste die Navigation verfolgen können.
Eines der interessantesten Elemente der flybridge ist die U-förmige Außenküche. Zur Ausstattung gehören Kühlschränke, Gefrierfächer, eine Bartheke, ein Backofen, ein Induktionskochfeld und zahlreiche Staufächer. Es handelt sich also nicht nur um eine einfache Bar, sondern um einen echten Aufenthaltsbereich für das Leben im Freien, der es ermöglicht, die flybridge beim Mittag- und Abendessen sowie beim Aperitif unabhängig von den Innenräumen zu nutzen. Diese Lösung passt besonders gut zur Philosophie der Majesty 72, deren Ziel es ist, jedes Deck in einen wirklich wohnlichen Bereich zu verwandeln.
Der Bug wird zum zweiten großen Außenbereich
Der Weg zum Bug unterstreicht die Dimensionen der Yacht noch einmal. Das breite Seitendeck führt zu einem zusätzlichen Außenwohnbereich: Am Bug befindet sich ein großes U-förmiges Sofa, das einem breiten zentralen Tisch gegenübersteht, der abgesenkt werden kann, um die gesamte Fläche mit einem zusätzlichen Kissen in eine riesige Sonnenliege zu verwandeln.
Dieser Bereich lässt sich zudem durch Carbonstangen und spezielle Markisen vor der Sonne schützen, was die Vielseitigkeit des Raums noch weiter erhöht. Das Ergebnis ist eine Abfolge von Außenbereichen, die es ermöglicht, die Gäste auf mehrere Ebenen zu verteilen, ohne auf die Möglichkeit zu verzichten, die Yacht gemeinsam zu genießen.
Fazit
Die Majesty 72 bringt eine für größere Superyachten typische Designphilosophie in das 22-Meter-Segment. Das Ergebnis ist nicht nur ein für seine Kategorie großes Boot, sondern vielmehr eine Yacht, bei der Volumen, Ausstattung und Raumaufteilung mit dem Ziel entwickelt wurden, ein Bord-Erlebnis zu bieten, das mit dem größerer Schiffe vergleichbar ist.
Die Probefahrt bestätigte ein besonders ruhiges und stabiles Fahrverhalten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 29,3 Knoten und einer schnellen Reisegeschwindigkeit von rund 25 Knoten. Vor allem aber ist Komfort der rote Faden, der sich durch das gesamte Projekt zieht.
Die Breite von über 6 Metern sorgt für ein extrem geräumiges Hauptdeck, eine über die gesamte Breite reichende Eignerkabine und eine flybridge von etwa 25 Quadratmetern, die als echtes Lebensdeck gestaltet ist. Hinzu kommen die hochwertige Verarbeitung, eine umfassende technische Ausstattung und der großzügige Einsatz von High-End-Komponenten.
Die Majesty 72 ist letztlich eine große flybridge, die ihre Kategorie aus der Perspektive einer Superyacht interpretiert: Dabei geht es nicht nur um Leistung, sondern vor allem um Platz, Komfort und Lebensqualität an Bord.
Quellen und Referenzen
| Quelle / Referenz | Beschreibung |
| Luca D’Ambrosio | Journalist im Bereich Schifffahrt. Er hat die technischen Messungen, die Probefahrt und die Inspektion an Bord der Majesty 72 durchgeführt. |
| The International Yachting Media | Herausgeber von „Yacht Digest“; hat das Original-Testvideo zur Majesty 72 produziert. |
| Majesty Yachts | Technische Informationen der Werft zur Majesty 72. |
| YouTube | Testvideo der Majesty 72. |
Majesty 72 – Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist die Höchstgeschwindigkeit der Majesty 72?
Während der Probefahrt hat „Yacht Digest“ eine Höchstgeschwindigkeit von 29,3 Knoten gemessen.
Welche Motoren hat die Majesty 72?
Das getestete Boot war mit zwei MTU-V10-Motoren mit jeweils 1.600 hp ausgestattet.
Wie viele Kabinen hat die Majesty 72?
Die im Test beschriebene Konfiguration umfasst eine große Eignerkabine über die gesamte Breite des Schiffes, eine VIP-Kabine, zwei Gästekabinen mit Einzelbetten und zwei separate Besatzungskabinen.
Was ist die größte Stärke der Majesty 72?
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Fähigkeit, Fahrkomfort, großzügige Wohnräume und eine hochwertige Ausstattung in einem etwa 22 Meter langen Boot zu vereinen – und das mit Designlösungen, die man normalerweise eher von größeren Yachten kennt.













